Katrins 29. Juni 2005
29. Juni 2005
Auch dieser 29. ist wieder ein besonderer Tag: Sven und ich sind in Griechenland. Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal ohne die Kinder Urlaub gemacht haben. Gab es das überhaupt schon mal? Auch jetzt sind es nur fünf Tage, aber immerhin, es sind traumhafte Tage!
Ich war vorher bei zwei verschiedenen Konferenzen in Griechenland gewesen. Eine zu Schreibzentren an Universitäten in Europa, die auf Halkidiki stattfand, dann eine der „European Association for the Teaching of Academic Writing“ in Athen. Bei der zweiten Konferenz war ich in die Vorbereitung und Durchführung stark involviert, hatte außerdem einen Workshop und einen Vortrag gehalten und war dementsprechend erschöpft.
Umso schöner war es da, dass Sven hinterher geflogen kam – Billig-Airlines sei Dank! Wir hatten die erst beste Fähre genommen, die am Freitag abend im Hafen von Piräus noch auslief. Wir waren beide noch nie in Griechenland, hatten auch keine Karte mit und wussten gar nichts von den griechischen Inseln. Das war eine schöne Fahrt ins Ungewisse! Morgens waren wir dann auf Santorini, einer Vulkaninsel von der es heißt, sie könnte, vor einem großen Vulkanausbruch, mal das legendäre Atlantis gewesen sein. Die Insel besteht aus schroffen, schwarzen Lavafelsen, auf denen unter strahlend blauem Himmel weiße Häuser mit runden Dächern kleben. Dazwischen viele Kirchen mit azurblauen Kuppeln und ringsum das klare Mittelmeer. Es war wirklich wunderschön!
Leider ist der 29. Juni unser letzter Tag. Wir wachen auf in unserem kleinen Hotelzimmer, in dem wir für 30 Euro zusammen untergekommen waren, samt Terrasse mit Meerblick. Es gab sogar einen kleinen Pool unter Hibiskusblüten! Der Wirt fährt uns persönlich zum Hafen, obwohl es erst 6.30 Uhr ist. Dort ist schon viel los, die Saison beginnt gerade und viele Touristen sind unterwegs beim „Insel-Hopping“. Wir stürmen auf Deck und ergattern einen Tisch für uns allein, gleich an der Reling. Um 7.15 legt das Schiff ab, schiebt sich langsam aus dem Schatten des Vulkans heraus, der vor Santorini noch immer schwefelnd aus dem Wasser ragt. Es ist sehr windig an unserem Tisch und wir müssen uns die ersten Stunden trotz der Sonne in unsere Windjacken hüllen. Trotzdem genießen wir die Fahrt durch die Ägäis sehr. Wir legen an verschiedenen Inseln an, immer mehr Menschen strömen an Bord. Wir stellen fest, dass die Griechen eine wahrhaft kindliche Freude am mobil Telefonieren an den Tag legen. Ständig klingelt, kräht, miaut, bellt oder dudelt es irgendwo und dann melden sich die stolzen Handybesitzer laut brüllend mit „nä“, was „ja“ auf griechisch bedeutet. Von den dann folgenden Gesprächen verstehen wir nichts, aber sie bestätigen, was wir schon vorher feststellen konnten: die Griechen lieben es laut!
Wir müssen uns mehrfach eincremen, denn die Sonne scheint sehr intensiv. Zum Glück legt sich nach einer Weile der Wind, so dass wir es wenigstens bemerken, bevor wir an unserem letzten Tag völlig verbrennen.
Kurz nach 15 Uhr laufen wir in Piräus ein und staunen, wie viele Menschen auf die Fähre gepasst hatten! In der Olympia-neuen Athener Metro fahren wir ins Zentrum, zu dem Backpackerhostel in dem ich in der letzten Woche gewohnt hatte. Dort dürfen wir unser Gepäck abstellen, denn wir haben noch ein bisschen Zeit bis wir zum Flughafen müssen. Sven führt mich zu einem Café, vor dem er schon am letzten Konferenztag auf mich gewartet hatte. „Du musst dich nicht durch diese heiße Stadt schleppen, um Athen zu sehen“, meint er, „Du kannst Athen auch an dir vorbei ziehen lassen.“ Tatsächlich ist es ein sehr guter Platz, an dem die verschiedensten Leute vorbeikommen: Touristen aller Nationen der Welt, Straßenhändler, schicke Athenerinnen, schwarze Mütterchen, Banker auf dem Heimweg... Wir bleiben einfach sitzen, trinken Eiscafé, dann Bier, teilen uns später ein Gyros und lassen die zeit verstreichen – welch ein Luxus!
Irgendwann müssen wir aber doch los, holen unser Gepäck und gehen zum Bus, der zum Flughafen deutlich billiger ist als die Metro. Mit uns steigt eine Gruppe junger Leute mit Bergen von Gepäck ein, ein Mädchen zückt eine Gitarre und sie singen die ganze Fahrt über Popsongs nach. Sven und ich klatschen, daraufhin spricht uns eines der Mädchen an. Sie sind Erasmus-Studierende, alle auf dem Heimweg von einem Austauschsemester in Griechenland. Sie kommt auch aus Berlin und musste wegen eines gebrochenen Beins ihre Reise vorzeitig abbrechen. Sie fragt, ob wir wohl ein Gepäckstück von ihr auf unsere Tickets mitnehmen können, sie kommt auf zu viel Gewicht. Ich sage zu, fühle mich aber unbehaglich: was, wenn sie eine Drogenschmugglerin ist? Sie sieht natürlich nicht so aus, aber wer weiß? Sie erklärt mir, dass sie ja ihren Namen auf dem Zelt stehen hat, das ich mitnehmen soll und dass Sven jederzeit bezeugen kann, dass es von ihr ist. Also gut!
Im Flugzeug bei Easyjet gibt es natürlich keine Getränke inklusive, aber wir haben noch ein bisschen griechischen Wein.
Mit Verspätung landen wir gegen Mitternacht in Berlin-Schönefeld und ärgern uns, die letzte S-Bahn verpasst zu haben. Auf der Suche nach einem Nachtbus erklärt uns ein Backpacker auf Englisch, dass noch ein Airport-Express, eine Regionalbahn, fährt. Da muss uns ein fremder unsere eigene Stadt erklären!
Nachts um 2 sind wir schließlich wieder in unserer eigenen Wohnung, glücklich über die eigenen Betten, wie nach jedem Urlaub. Die Wohnung ist leer ohne die Kinder und den Kater, wir freuen uns drauf, sie morgen wieder abzuholen.

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